6. Oktober 2026 Unabhängiges Wissen zu EMDR und Traumafolgen
EMDR & Trauma Ratgeber

Lexikon

EMDR

Auch bekannt als: Eye Movement Desensitization and Reprocessing, EMDR-Therapie

Kurz erklärt

EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) ist eine strukturierte, traumafokussierte Psychotherapiemethode, bei der belastende Erinnerungen mithilfe bilateraler Stimulation verarbeitet werden.

EMDR wurde Ende der 1980er-Jahre von der US-amerikanischen Psychologin Francine Shapiro entwickelt. Der Name steht für „Desensibilisierung und Neuverarbeitung durch Augenbewegungen“. Heute zählt EMDR international zu den am besten untersuchten Verfahren zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung.

Wie funktioniert EMDR?

Die Behandlung folgt einem Protokoll aus acht Phasen. Im Kern ruft die Klientin oder der Klient eine belastende Erinnerung samt zugehörigem Bild, Gedanken und Körpergefühl auf, während gleichzeitig eine bilaterale Stimulation stattfindet – meist geführte Augenbewegungen, alternativ abwechselnde Berührungen oder Töne. Nach jedem Durchgang wird kurz besprochen, was aufgetaucht ist.

Das theoretische Modell dahinter ist das Modell der adaptiven Informationsverarbeitung (AIP-Modell): Traumatische Erinnerungen gelten als unzureichend verarbeitet gespeichert und sollen durch EMDR in bestehende, hilfreiche Gedächtnisnetzwerke integriert werden.

Wofür wird EMDR eingesetzt?

Am besten belegt ist die Wirksamkeit bei der PTBS. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt EMDR seit 2013 für Erwachsene, Kinder und Jugendliche mit PTBS. Untersucht wird die Methode außerdem bei Angststörungen, Depressionen, chronischen Schmerzen und weiteren Beschwerden, für die die Evidenz jedoch weniger gesichert ist.